Es war Freitag der 13., als mir schlagartig klar wurde:  Die „alte Welt” vor Corona ist Vergangenheit – und wird es auch bleiben. Das, was gestern noch unmöglich schien, ist heute Realität. Die Ankündigung an jenem 13. März, Schulen und Grenzen zu schließen, Veranstaltungen zu untersagen und Menschenansammlungen zu unterbinden wirkte wie ein großer Knall, auf den Stille und Stillstand folgten. Unsere global vernetzte Welt wird für längere Zeit auf den Kopf gestellt. Die Herausforderungen für Politik, Unternehmen, Bürger und damit die Gesellschaft sind immens, sie sind ungelernt und es gibt keinen Blueprint für solche Situationen.

Mit Blick auf unser Unternehmen ist mir vor allem eines bewusst geworden: Einen „großen Tanker“ wie Philip Morris zu steuern, erleichtert in der Krise den Rückweg ins sichere Fahrwasser. Doch dazu später mehr. Welche Klippen es zu umsteuern galt – um beim Bild aus der Schifffahrt zu bleiben – und wie wir trotzdem Kurs gehalten haben, steht hier in diesem Blog. Natürlich ist das aber nur meine Perspektive. Daher freue ich mich, wenn Sie eigene Gedanken in den Kommentaren beisteuern.

Manchmal bremst Größe – jetzt hat sie uns geholfen

Kennen Sie das? Als Beifahrer fühlt man sich schnell ohnmächtig und bekommt ein mulmiges Gefühl. Gerade wenn es heikel wird, möchte man doch lieber selbst das Steuer in der Hand halten. Das Gleiche gilt im beruflichen Alltag: In Ausnahmesituationen wie diesen ist es entscheidend, als Unternehmen selbst aktiv zu werden. 

Die unbekannten Dimensionen der Corona-Krise haben viele Akteure zögern lassen. Wir bei Philip Morris wollten von Anfang an nicht Beifahrer sein, sondern haben agiert statt abzuwarten. Auch wenn Größe sonst manchmal bremst, hat sie uns diesmal geholfen. Unser globales Denken in einem Großkonzern mit weltweit 73.500 Mitarbeiter*innen hat uns einen immensen Wissensvorsprung gegenüber vielen anderen Unternehmen beschert. Direkt nach dem Ausbruch der Krankheit im chinesischen Wuhan hat unser Headquarter in Lausanne eine Task Force eingerichtet. Es gab von Anfang an klare Richtlinien und entsprechende Meldepflichten. Die Informationen wurden gesammelt und effizient an die Märkte weltweit zurückgegeben. Wir konnten sowohl durch diese Informationen, als auch durch den direkten Austausch mit den Kolleg*innen in Asien und Italien mögliche Entwicklungen schon deutlich früher absehen und entsprechende Maßnahmen vorbereiten.

Dazu kommt, dass unsere radikale Transformation von uns seit Jahren agiles Denken und Mut zu Trial-and-Error fordert. Diese gesammelten Erfahrungen ermöglichen uns nun auch, in Krisenzeiten flexibel und schnell zu agieren.

All das hat uns geholfen in die richtige Richtung zu steuern:

  • In einem internen Krisenstab haben wir wichtige, wenn auch harte Entscheidungen getroffen, wie z.B. die IQOS-Stores zu schließen (und das vor der offiziellen Anweisung der Behörden) oder den 300 Mitarbeiter*innen umfassenden Außendienst aus seinem Kerngeschäft zu lösen und aus dem Homeoffice heraus arbeiten zu lassen.
  • Geschäftsreisen haben wir bereits im Februar stark eingeschränkt und schließlich noch vor dem Lock-Down untersagt.
  • Natürlich mussten wir auch sicherstellen, dass das Business weiterlaufen kann. Wir haben die Logistikprozesse überprüft, um die Warenversorgung zu garantieren und haben den digitalen Kundenservice über unseren Onlineshop und unser Call Center ausgebaut, für die natürlich auch Homeoffice-Lösungen geschaffen werden mussten.
  • In einem Homeoffice-Testlauf (bereits eine Woche vor dem offiziellen Lock-Down) kamen Know-how und technische Infrastruktur auf den Prüfstand. Wir mussten uns alle an diese neue Form des Arbeitens gewöhnen und teilweise auch dazulernen – mich eingeschlossen.

Zwischenfazit: Es musste tatsächlich erst eine solche Krise kommen, um uns alle Homeoffice-fit zu machen. Insofern hilft Corona der Wirtschaft in puncto Digitalisierung, weil es als Katalysator wirkt. Digitalisieren müssen jetzt alle – auch die, die sich immer gesträubt haben. Dass das die Umwelt schont, weil es Dienstreisen reduziert, und mehr Zeit mit der Familie ermöglicht, dürfte ein angenehmer Nebeneffekt sein.

In Krisen gewinnt, wer Charakter beweist

Aktuell kommt mir oft das Zitat von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt in den Sinn: „In der Krise beweist sich der Charakter“. Anders gesagt: Wenn es knirscht, werden Missstände deutlich. Auch Unternehmenskulturen stellt Corona vor den Charaktertest. Und ich bin froh, sagen zu können, dass wir ihn bestanden haben. Denn zu unserer Kultur gehört seit jeher, das Wohl unserer Mitarbeiter*innen an erste Stelle zu setzen. Daher gilt für uns auch nur ein Leitmotiv: Safety first – everything else, second.

Zur Sicherheit gehört für uns auch Arbeitsplätze zu schützen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir in der Lage waren, die Entscheidung zu treffen, keine Kurzarbeit einzuführen. Dazu mussten wir einige Aufgaben umverteilen – Teams, die vorher in Stores oder im Außendienst gearbeitet haben, setzen wir momentan unter anderem im Call Center ein. Dass wir in der Krise so agieren, schafft Vertrauen in den Arbeitgeber – und das ist mir persönlich sehr wichtig: Ich möchte, dass sich alle Mitarbeiter*innen zu jeder Zeit sicher und gut aufgehoben fühlen und auch stolz sind, Teil dieses Unternehmens zu sein. Das Miteinander und die Solidarität unter den Kolleg*innen tragen entscheidend dazu bei, dass die Stimmung trotz Krise positiv ist.

Was ein wenig paradox klingt, mich jedoch in dieser Zeit besonders freut: Social Distancing hat uns nicht distanziert, sondern im Gegenteil, es hat uns an manchen Stellen sogar noch näher zusammengebracht. Mit meinen Kolleg*innen aus der Geschäftsführung arbeite ich gerade noch enger zusammen als sonst. Wir besprechen alle Details, um unseren Kurs ständig zu hinterfragen und anzupassen. Wo immer möglich, teilen wir die Entscheidungsprozesse mit den jeweiligen Teams. Denn ohne maximal transparente interne Kommunikation, die möglichst alle erreicht, kommt selbst ein stabiler Tanker nicht durch dermaßen schwere See. Dazu gehören Webcasts mit 700 Mitarbeiter*innen, die live Fragen stellen können. Dazu gehört aber auch unsere „Virtual Coffee Corner“. Kaffeeklatsch geht auch digital! Wobei ich ehrlich sagen muss, dass mir der Espresso zusammen mit Kolleg*innen in der Kaffeeküche deutlich besser schmeckt, als allein zuhause. Den persönlichen Kontakt vermisse ich sehr.

Gleichzeitig wollen wir als Unternehmen auch unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und unseren Partnern wahrnehmen. Es gilt, in diesen schwierigen Zeiten etwas zurückzugeben und dort zu helfen, wo es am nötigsten ist. Wir wollen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln und uns solidarisch zeigen – als Stabilitätsanker dienen. In der Krise unterstützen wir deshalb drei Bereiche:

  1. Medizinische Infrastruktur:
    Was Ärzte, Schwestern und Pfleger derzeit leisten, ist phänomenal. Dank und Applaus verdienen sie zuallererst . Wir unterstützen zudem die medizinische Infrastruktur mit Geld- und Sachspenden.
  2. Nachbarschaft:
    Wir fördern soziale Projekte an unseren Standorten München, Dresden und Berlin und setzen dabei vor allem auf unsere Mitarbeiter*innen. Wer in seiner Arbeitszeit helfen möchte, den stellen wir dafür frei. Zusätzlich haben wir Initiativen ausgewählt, die uns am Herzen liegen. Unsere Mitarbeiter*innen sind aufgerufen, hierfür zu spenden – wir als Unternehmen verdoppeln jeden Betrag.
  3. Businesspartner:
    Verlässlichkeit hat kein Ablaufdatum – auch nicht in der Krise. Das gilt bei uns sowohl für den Tabakwareneinzelhandel als auch für ehemalige Partner aus der Gastronomie, denen wir viel zu verdanken haben. Gerade sie hat es in der Krise aber mit voller Wucht getroffen. Wir unterstützen sie mit schnellen, unbürokratischen Finanzspritzen und entwickeln mit ihnen gemeinsam Wege, wie wir jetzt aber auch langfristig zusammenarbeiten können. Denn gerade in dieser Zeit ist langfristige Planungssicherheit für unsere Business Partner entscheidend. Verlässlichkeit bedeutet für uns auch, dass wir zu unseren Agenturen und Lieferanten stehen, Verträge einhalten und selbstverständlich die vereinbarten Mieten zahlen.

“The New Normal” als Chance für ein „Better Normal“

Ist es schon an der Zeit, an den Alltag nach Corona zu denken? Natürlich und das ist auch unsere Pflicht. Eine funktionierende Wirtschaft ist die Basis für ein gesundes Miteinander und eine funktionierende Gesellschaft. Als Unternehmen bereiten wir uns darauf vor, dass wir noch lange mit Corona zu kämpfen haben. Und das habe ich intern schon mehrmals gesagt: Es hat sich noch nie gelohnt, alten Zeiten hinterher zu trauern. Lasst uns trotz der Unsicherheiten den Blick nach vorne richten, positiv denken und uns auf das „New Normal“ vorbereiten.

Klar haben wir einen Plan, wie wir unser Business wieder hochfahren, die Stores eröffnen, den Außendienst ins Feld schicken und letztlich zur „neuen Normalität“ zurückkehren werden. Wird dieser exakt so kommen? Mit Sicherheit nein, denn wir wissen nicht, wie sich die Krise entwickelt und welche politischen Entscheidungen getroffen werden. Deshalb müssen wir flexibel bleiben, um jederzeit und kurzfristig Anpassungen vornehmen zu können.

Generell gilt: Wenn das Bewusstsein für Sinnhaftigkeit steigt, brauchen Unternehmen künftig noch mehr als bisher einen klaren Purpose. Ich bin froh, dass wir unseren schon gefunden haben: Eine rauchfreie Zukunft ist und bleibt eine Vision, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Dafür spielen wir gerade verschiedene Szenarien mit ihren Schwierigkeiten und Chancen durch. Ein einfaches „Weiter so“ wird es nicht geben: Wir wollen die Krise nutzen, um aus dem „New Normal“ ein „Better Normal“ zu machen. In diesem Zusammenhang ist es für uns essentiell, unser Handeln noch mehr mit den aktuellen Werten, Bedürfnissen und Wünschen der Verbraucher in Einklang zu bringen. Kampagnen, die dies nicht berücksichtigen und nur auf kurzfristigen, kommerziellen Erfolg abzielen, werden diesen langfristig nicht mehr sichern können. Es wird ein Umdenken in der Kommunikation und auch im Marketing stattfinden. Dieses Umdenken verfolgen wir intern schon konsequent – der Purpose und ein am Konsumenten orientiertes Handeln werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren werden, an denen wir uns alle messen lassen müssen.

Beim Blick auf die Gesellschaft sehe ich viele positive Tendenzen. Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle werden selbstverständlicher, der Zusammenhalt wird gestärkt und die Solidarität ist phänomenal. Es gibt mehr Zusammenarbeit, ein Miteinander fürs große Ganze anstatt eines Kampfs um kurzfristigen Erfolg. Wenn wir diese Dinge auch nach der Pandemie nachhaltig beibehalten, können wir alle gemeinsam sagen: Krise will keiner. Doch sie kann uns stärker machen.

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