Nimmt man die Chance aus der Krise – wird sie zur Gefahr. Nimmt man die Angst aus der Krise – wird sie zur Chance.

Das griechische Wort „krisis“ bedeutet die Zuspitzung einer Entscheidung, ein Wendepunkt. In der hippokratischen Medizin verwies der Begriff auf den Wendepunkt des Krankheitsgeschehens: Entweder führte die Krankheit in die Katastrophe, den Tod, oder aber die Krise ging in eine Besserung des Geschehens über.

Einige behaupten, der durch die Krise verursachte Stillstand ist die langersehnte Entschleunigung, welche die Welt seit langer Zeit benötigte – andere stehen vor großen wirtschaftlichen oder privaten Herausforderungen und fragen sich, wie es weitergehen soll.

Wie die meisten, beobachteten wir bei Buchinger Wilhelmi die Ausbreitung von Covid 19 seit Jahresbeginn zwar aufmerksam, hofften aber, dass Deutschland wie die letzten Male bei der Ausbreitung von Epidemien (SARS, Schweinegrippe, Vogelgrippe…) weitestgehend verschont bleiben würde.

Spätestens als die Schließung der Grenzen beschlossen wurde, war klar, dass sich schlagartig alles ändern würde. Jedoch schon lange vor der Schließung der Grenzen beschäftigen wir uns intensiv mit der Fragestellung, wie es möglich ist, unsere Kliniken vor einem Corona-Fall zu schützen. Und so etablierten wir einen Krisenstab mit allen relevanten Abteilungen, und schafften es, den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts immer einen Schritt voraus zu sein und unsere Kliniken bis heute vor einem Corona-Fall zu bewahren.

Unsere Patienten und Mitarbeitenden vor einer Ansteckung zu schützen ist natürlich kurzfristig unser vorrangigstes Ziel gewesen. Schnell stellt sich jedoch die Frage: „Wie kommen wir als Unternehmen durch diese Krise? Wie schützen wir unsere 600 Arbeitsplätze? Wie können wir das Erbe unseres Gründers Dr. Otto Buchinger noch viele Generationen weiterführen, um Menschen dabei zu helfen, ein erfülltes und gesundes Leben zu führen?“

Buchinger Wilhelmi ist ein Familienunternehmen in der vierten Generation. An den beiden Standorten in Überlingen am Bodensee und Marbella, Südspanien, haben die Urenkel des Gründers unlängst die Klinikführung übernommen.

„Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

(Max Frisch)

Natürlich ging es in den ersten Diskussionen darum, wie man den Chashflow weiterhin gewährleisten kann, wenn keine, oder deutlich weniger Patienten zu uns reisen werden.

„Normalerweise sind wir zu dieser Jahreszeit ausgebucht. Vor den Reiserestriktionen hatten wir je nach Zimmerkategorie eine mehrmonatige Warteliste. Aktuell sind bei uns ca. 30 der 160 Betten belegt. Nachdem zu Beginn von Seiten der Behörden keine klaren Vorgaben vorlagen, entschieden wir eigenständig, die Aufnahme von neuen Patienten für zwei Wochen auszusetzen und unsere Abläufe an die neue Situation anzupassen”, so Leonard Wilhelmi, der die Klinikleitung erst im vergangenen Jahr von seinen Eltern Raimund Wilhelmi, Enkel des Klinikgründers Otto Buchinger, und der Ärztin Françoise Wilhelmi de Toledo übernommen hat. „Unser Wochenprogramm wurde komplett überarbeitet und findet nun weitestgehend unter freiem Himmel statt, wir haben vorübergehend einen Gratis-Room Service für unsere Gäste eingeführt, unsere fastenden Patienten erhalten Fastenzusätze, um das Immunsystem weiter zu stärken, außerdem wurde alles so umgestaltet, dass der Sicherheitsabstand überall eingehalten werden kann, etc. Seit ca. einem Monat nehmen wir wieder selektiv Patienten auf.“

Noch drastischer ist die Situation in der Schwesterklinik in Marbella. Wegen der restriktiven Ausgangsbeschränkungen in Spanien ist der Betrieb dort aktuell fast völlig eingestellt.

Nimmt man die Angst aus der Krise – wird sie zur Chance.

„Wir merken, dass unsere Gäste und Patienten zu uns ein anderes Verhältnis haben als zu anderen Kliniken oder Reisedestinationen. Uns war der persönliche Kontakt schon immer immens wichtig. Viele unserer Gäste sind über die Jahre Freunde oder fast schon Familie geworden. Wir haben über 60 % Stammpatienten. Die meisten kommen jedes Jahr, viele schon seit Jahrzehnten. Dies ließ uns hoffen. Viele unserer Patienten haben uns Briefe geschickt, uns angerufen und ihren Aufenthalt verschoben, anstatt ihn zu stornieren. Diese Gesten, die von Herzen kommen, erfüllen uns mit Dankbarkeit und bestätigen uns darin, dass das werteorientierte Agieren, das familiäre Verhältnis in den Kliniken und der enge Kontakt zu unseren Gästen die Basis unser Arbeit ist.“

Die neue Situation stellt vor allem eine Herausforderung für Körper, Psyche und Immunsystem dar. „Seit 100 Jahren konzentriert sich die Methode unseres Gründers Dr. Otto Buchinger auf die Heilung der drei Hauptrisikofaktoren eines schweren Corona-Erkrankungsverlaufs: Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Um die Hauptrisikofaktoren für einen schweren Corona-Erkrankungsverlauf zu reduzieren und das Immunsystem maximal zu stärken und psychischen Druck und Stress abzubauen, bieten wir nun seit vergangener Woche das neue Buchinger Wilhelmi Immunity+ Programm an“, so Leonard Wilhelmi. Das Basispaket ist aktuell im Arrangementpreis enthalten und besteht unter anderem aus einem Corona-Rachenabstrich und einer Corona-Antikörpertestung, einer individuellen Risikoanalyse sowie einem speziellen Rahmenprogramm zur Stärkung von Körper, Psyche und Immunsystem. „Wir wollen auch ein Ort für diejenigen sein, die nach Wochen im Home-Office und unter hohem Druck beruflich und privat eine Auszeit brauchen und sich um ihre Gesundheit kümmern wollen.“
Die Nachfrage ist groß, jedoch kommt ein Großteil der jährlich über 6.000 Patienten aus dem Ausland – und solange die Reiserestriktionen noch bestehen, werden die meisten ausländischen Gäste nicht anreisen können.

Better done than perfect

Uns ist wichtig, auch für unsere Patienten da zu sein, die nicht zu uns reisen können. Daher produzieren wir seit dem ersten Tag der Reiserestriktionen kontinuierlich Videos, um unsere Gäste und Patienten auch bei sich zuhause bestmöglich dabei zu unterstützen, körperlich und mental mit dieser herausfordernden Situation umzugehen.

„Aktuell erarbeiten wir ein Konzept, wie wir die digitale Kommunikation noch weiter ausbauen können, um bei einer potenziellen künftigen Krise noch besser aufgestellt zu sein. Die Videos sind bei uns gerade alle handgemacht – mit einer Handykamera von unserer internen Marketingabteilung. Uns war wichtiger schnell und viele relevante Inhalte zu produzieren, als alles in Hochglanz umzusetzen: „Better done than perfect“ ist bei uns in diesem Bereich daher gerade die Devise. Unsere Zuschauer schätzen dies sehr und verzeihen uns daher, dass die Qualität nicht immer 100 % ist.“

Seit einigen Jahren arbeiten wir aktiv daran auch digital mit unseren Gästen in Kontakt zu bleiben. Neben dem Aufbau unser Social Media-Präsenz steht dabei auch die Kommunikation über Newsletter im Vordergrund. Hierbei war uns schon vor Corona immer am wichtigsten, mit unseren Posts einen Mehrwert zu bieten. Durch relevante Inhalte wachsen wir so kontinuierlich organisch in allen Kanälen. Erst seit Corona merken wir jedoch, wie groß weltweit das Interesse an unseren Themen ist. Unsere eigene Forschungsabteilung hat schon mehrere Studien über das Fasten veröffentlicht. Die aktuell produzierten Videos zum Thema Ernährung, Immunsystem aber auch Bewegung und mentale Gesundheit haben unseren YouTube-Kanal um ca. 10.000 % wachsen lassen seit wir in den Corona-Modus geschaltet haben.

Neben den Aktivitäten für unsere Gäste und Patienten war uns außerdem sofort klar, dass wir uns um unsere Mitarbeitenden kümmern müssen. Da unsere Arbeitspläne immer von der Belegung abhängig sind, spüren unsere Mitarbeitenden die reduzierte Belegung natürlich auch. Um sie bestmöglich in dieser Zeit zu unterstützen, haben wir daher folgende Maßnahmen eingeführt:

  • Als Klinik mit Demeter-zertifizierter Küche arbeiten wir in Deutschland eng mit den Demeter-Höfen vor Ort zusammen. Daher ist es uns möglich, unseren Mitarbeitenden wöchentlich eine subventionierte Grüne Kiste mit besten Biogemüse und -Obst zur Verfügung zu stellen. In Marbella besteht ein Netzwerk aus bei der Klinik festangestellten Biobauern, welche die Klinik beliefern. Auch hier können die Mitarbeitenden eine vergünstigte Biokiste erhalten.
  • Um auch in finanziellen Engpässen unterstützen zu können, bieten wir unseren Mitarbeitenden ein zinsfreies Darlehen an, das nach der Kurzarbeit flexibel zurückgezahlt werden kann.
  • Wo möglich, haben wir Abteilungen umfunktioniert. So produzieren Mitarbeitende aus unserer eigenen Wäscherei beispielsweise aktuell Mundschutz für unsere Patienten und Mitarbeitenden.
  • Zugegebenermaßen waren wir in der digitalen Kommunikation noch nicht sehr fortschrittlich vor Corona. Da in einer Klinik die meisten Arbeiten nicht von zuhause verrichtet werden können, war dies vor Corona nie notwendig. Gezwungenermaßen wurde dieses Versäumnis nun in kürzester Zeit nachgeholt und alle unsere Mitarbeitenden sind nun in Zoom- und Skype Calls sowie WhatsApp-Gruppen organisiert. Die enge Kommunikation und der interne Austausch ist noch wichtiger, wenn man sich nicht regelmäßig sieht.
  • Gleichzeitig wollen wir als Unternehmen auch unsere soziale Verantwortung wahrnehmen. So spenden wir beispielsweise die Ernte unserer Bauern im Netzwerk in Spanien an die Caritas und unterstützen bedürftige Familien so vor Ort.

„Unser oberstes Ziel ist es, auch nach der Krise ein sicherer Arbeitgeber für unsere 600 Mitarbeitenden an beiden Standorten zu sein, um unsere Gästen auch weiterhin dabei zu unterstützen, ein gesundes und erfülltes Leben zu führen. Neben den vielen Initiativen zum Wohl unserer Patienten und unserer Mitarbeitenden mussten wir deswegen auch einige harte Entscheidungen treffen, die uns nicht leichtgefallen sind“, so der Leiter der Privatklinik – und ergänzt: „Die letzten Wochen fühlen sich an wie 20 Jahre.“

„The New Normal“ or a „Better Normal“?

Die Verschiebung im Werteindex in China im Vergleich „vor Corona vs. nach Corona“ zeigt, dass Sicherheit, Gesundheit und Familie als Wert weiter steigen werden. Aus dieser Werteverschiebung können viele positive Themen entstehen.

Als Unternehmen bereiten wir uns darauf vor, dass Corona noch lange unseren Alltag bestimmen wird. Unsere klinikinternen Prozesse und Abläufe werden sicher lange noch so bleiben wie sie aktuell sind – mit höchsten Hygienestandards und Mundschutz im direkten Patientenkontakt. Aber auch mit mehr digitalen Angeboten für die Vor- und Nachbereitung, mit mehr Möglichkeiten für das Betreuen von Patienten aus der Ferne. Wir werden flexibel bleiben müssen und weiterhin vorausschauend agieren. Das Angebot unserer Kliniken wird sicher eine starke Nachfrage haben.
Wir unterstützen unsere Patienten dabei, sich bestmöglich physisch und mental für die „Zeit danach“ zu wappnen, ihre Risikofaktoren zu minimieren und das alles in einer Umgebung wie einem Sterne-Hotel in einer der schönsten Landschaften Deutschlands (und Spaniens). Wann wir aufgrund der Reiserestriktionen wieder voll ausgelastet sein werden, ist jedoch schwer abzuschätzen.

Unser Ziel ist es, unsere Gäste dabei zu unterstützen ein gesundes und erfülltes Leben zu führen – auch in Zeiten einer globalen Pandemie. Sicher werden die Bedürfnisse nach Corona andere sein als in der Zeit davor. Eventuell wird es Anfragen nach Familienzimmern geben oder Ähnliches. Dann werden wir uns auf diese Bedürfnisse einstellen, solange sie in Übereinstimmung mit unseren Werten stehen.

Als Gesellschaft hoffe ich, dass viele der positiven Dinge bestehen bleiben, die sich gerade entwickeln. Gerade das Thema Solidarität finde ich immens wichtig. Vielleicht lässt uns das „Social Distancing“ ja doch etwas näher zusammenrücken. Momentan nur virtuell, aber hoffentlich auch ganz bald wieder im realen Leben.

„We are all in this together!“

Fotoquelle: © Buchinger Wilhelmi

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